Wenn eine Diagnose mehr verändert als den Körper

Veröffentlicht am 29. August 2026 um 21:46

Eine Krebsdiagnose trifft nicht nur den Körper. Sie kann innerhalb eines Augenblicks das Gefühl von Sicherheit verändern, Zukunftspläne infrage stellen und Ängste auslösen, die vorher vielleicht kaum eine Rolle gespielt haben.

Auch während der Behandlung und danach bleiben viele Fragen: Wie gehe ich mit der Unsicherheit um? Wie viel möchte ich meiner Familie zumuten? Warum fühle ich mich nicht einfach erleichtert, obwohl die Behandlung abgeschlossen ist? Und wie finde ich zurück in einen Alltag, der sich plötzlich ganz anders anfühlt?

Mein Weg zur Psychoonkologie

Durch meine Arbeit in einer Hospizinitiative begegne ich Menschen und Familien in Lebenssituationen, in denen Krankheit vieles verändert. Dabei wurde für mich immer deutlicher, wie wichtig neben der medizinischen Versorgung auch die psychologische Begleitung ist.

Aus dieser Arbeit heraus ist mein Interesse an der Psychoonkologie entstanden – und schließlich der Wunsch, mich in diesem Bereich fachlich weiterzubilden.

Aktuell absolviere ich eine Fortbildung in Psychoonkologie. Und ich merke, wie sehr mich diese Fortbildung fordert und gleichzeitig fördert.

Die intensive Beschäftigung mit schwerer Erkrankung, Ängsten, Verlust, Hoffnung, Lebensqualität und manchmal auch der eigenen Endlichkeit fordert eine sehr bewusste Auseinandersetzung – fachlich, aber durchaus auch persönlich. Gleichzeitig empfinde ich genau das als unglaublich bereichernd.

Ich lerne viel. Nicht nur aus Fachliteratur, Modellen und Methoden, sondern auch durch den Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Ich habe dort wunderbare Menschen kennengelernt, die aus ganz unterschiedlichen beruflichen Bereichen kommen und ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven mitbringen. Unsere Gespräche, Diskussionen und gemeinsamen Überlegungen erweitern meinen Blick immer wieder.

Für mich bedeutet Weiterbildung deshalb gerade sehr viel mehr als neues Fachwissen zu erwerben. Sie bringt mich dazu, meine eigene Haltung zu hinterfragen, genauer hinzusehen und manches neu zu betrachten. Sie fordert mich – und sie lässt mich wachsen.

Psychoonkologie bedeutet nicht nur Begleitung am Lebensende

Das ist mir besonders wichtig.

Psychoonkologische Unterstützung kann Menschen in ganz unterschiedlichen Phasen einer Krebserkrankung begleiten – von der Diagnose über die Behandlung und Nachsorge bis hin zum Leben mit einer chronischen oder fortgeschrittenen Erkrankung.

Besonders beeindruckt mich dabei immer wieder, wie unterschiedlich Menschen auf eine schwere Diagnose reagieren.

Es gibt nicht die eine „richtige“ Art, mit Krebs umzugehen.

Manche möchten möglichst viel wissen und aktiv mitentscheiden. Andere brauchen zunächst Abstand. Manche möchten über ihre Ängste sprechen, andere gerade nicht. Manche möchten kämpfen, andere können mit diesem Begriff überhaupt nichts anfangen.

Psychologische Begleitung bedeutet für mich deshalb nicht, jemandem vorzuschreiben, wie er mit seiner Erkrankung umgehen sollte. Es geht vielmehr darum, den Menschen dort abzuholen, wo er gerade steht, und gemeinsam herauszufinden, was ihm in dieser Situation helfen kann.

Und die Angehörigen?

Auch sie geraten leicht aus dem Blick.

Partnerinnen und Partner, Kinder, Eltern oder enge Freunde möchten häufig stark sein und unterstützen. Gleichzeitig haben sie eigene Ängste und Sorgen – und manchmal das Gefühl, darüber nicht sprechen zu dürfen, weil schließlich der andere Mensch krank ist.

Doch auch Angehörige dürfen Angst haben. Sie dürfen erschöpft sein. Sie dürfen manchmal nicht wissen, was sie sagen oder tun sollen.

Auch diese Belastungen gehören zur Psychoonkologie.

Je mehr ich mich im Rahmen meiner Fortbildung mit diesem Bereich beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie wertvoll psychologische Unterstützung in einer Zeit sein kann, in der so vieles plötzlich unsicher geworden ist.

Und vielleicht ist genau das etwas, was ich aus dieser Fortbildung schon jetzt mitnehme: Wir können nicht jede Unsicherheit beseitigen und nicht auf jede Frage eine Antwort geben. Aber wir können Menschen dabei begleiten, ihren eigenen Umgang damit zu finden.

Ich freue mich darauf, weiterzulernen, mich weiter fordern und fördern zu lassen – und all das, was ich dabei mitnehme, Schritt für Schritt in meine psychologische Arbeit einfließen zu lassen.

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