Vom verängstigten Tierheimhund zum Rudelführer – Clarence, unser Therapiehund, und die Entwicklung im Rudel
Bevor Clarence zu uns kam, hatten wir schon einige Hunde in unserem Leben: Charly, Elsa, Boss, Buckshot, Daisy, Manni und Sally. Jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte, seine eigene Persönlichkeit und seine Aufgaben im Rudel.
Clarence kam, um Manni bei seiner Aufgabe zu unterstützen. Manni war müde geworden, nahm seine Rolle als Wächter unseres Grundstücks aber sehr ernst. Als ich Clarence im Tierheim sah, war er ein Häufchen Elend: unterernährt, verweigerte das Futter, Menschen fand er gruselig – doch andere Hunde faszinierten ihn. Immer wenn er sie sah, wurde er aufmerksam und wach.
Wir hofften nicht, dass er Manni wirklich helfen könnte. Vielleicht wäre er eine Ablenkung für ihn, eine Chance. Doch Clarence zeigte vom ersten Moment an Dankbarkeit. Er verliebte sich sofort in Manni und lernte durch ihn, seine Furcht vor Menschen abzulegen.
Was Clarence von Manni übernahm, war nicht nur Positives: Er lernte auch, alles zu verbellen, was sich auf dem Grundstück bewegte. Eine Leidenschaft, die er bis heute nicht ablegte. Manni saß in der Mitte des Grundstücks, und Clarence rannte wie besessen dorthin, wohin Manni ihn schickte, und klaffte aus Leibeskräften. So nahm er Manni viel Arbeit ab – und doch war er immer voller Freude bei der Sache.
Heute, mit fast 12 Jahren, ist Clarence souverän und der Rudelführer unseres Rudels. Er ist mit uns nach Amerika, über München bis nach Heidmoor gezogen. Er war nie anspruchsvoll, nimmt alles mit, was wir ihm an Abenteuern anbieten – nur seine unbändige Liebe und Treue zu uns lässt er sich nicht nehmen.
Durch diese Aufgabe, uns beizustehen, ist er gewachsen und stark geworden. Ein Besuch im Tierheim, aus dem wir ihn adoptiert haben, zeigte noch einmal, wie weit er gekommen ist: Die Mitarbeiter erkannten ihn nicht wieder und waren zu Tränen gerührt, als sie bemerkten, dass der ängstliche, aufgegebene Hund von damals heute ein selbstbewusster, dankbarer Begleiter ist.
Etwas anderes wurde uns erst durch Clarence bewusst: Seine Liebe zu uns wirkte wie eine Art Therapie. Wir haben uns von ihm getragen gefühlt – er war der erste Hund, bei dem uns das wirklich bewusst wurde. Zurückblickend haben das alle getan – jeder Hund auf seine einzigartige Art.
Seine Stärke und Willenskraft geben nicht nur uns Sicherheit, sondern auch seinen beiden „Lehrlingen“, Humphrey und Archie. Besonders Archie, der noch unter Nervosität leidet, erkennt Clarences Autorität an und schöpft daraus Sicherheit. So schließt sich der Kreis: Was Manni einst Clarence gegeben hat, gibt Clarence nun seinem Rudel weiter.